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Kürbisse aus Bangladesch wachsen in Bozen

Im interkulturellen Garten in Bozen wachsen Lao-Kürbisse, Bittergurken und viele andere exotische Gemüsesorten. Ins Leben gerufen haben ihn die „donne nissà frauen“. Das Buch „common roots“ stellt ihn vor.

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Bild: Edition Raetia

Wir haben der Architektin Susanne Waiz vom Verein „donne nissà frauen“ vier Fragen gestellt:

Was genau macht der Verein „donne nissà frauen“ in den Semirurali-Gärten?
Die Gemeinde Bozen hat uns 2008 dieses Stück Land gegeben, da, wo früher die Semirurali-Gärten waren. (Die Semirurali-Gärten waren die Gärten der Arbeiter, die in der Faschismuszeit in Bozen angesiedelt wurden. Anm. d. Red.) Dort können jetzt Gärtnerinnen und Gärtner aus verschiedenen Ländern einen kleinen Garten anlegen. Es wäre gut, wenn es das in jedem Stadtteil gäbe. Leider gibt es so einen internationalen Garten derzeit nur im Don-Bosco-Viertel. Die Idee dahinter ist, dass Migrantinnen und Migranten mit Boznern, mit einheimischen Leuten, in Kontakt kommen. Also auch mit Frauen und Männer aus dem Stadtviertel. Sogar ältere Menschen mit Alzheimer haben dort ein kleines Beet. Hier entstehen Freundschaften, kultureller Austausch. Vielleicht ist es dann leichter, Wurzeln zu schlagen? Das Schöne ist, dass wir vom Verein jedes Jahr weniger machen. Die Gärtner sind selbstständig bei der Arbeit. Sie bauen ihr Gemüse an, sie reden miteinander. Was der Verein macht: Feste organisieren, zusammenräumen. So wenig wie möglich.

Wie unterscheiden sich die Anbaumethoden im Garten von Einheimischen und Migranten?
Fundamental. Die „Hiesigen“ bauen Salat und Tomaten an. Die Migranten bringen ihre Samen aus ihren Ländern mit. Sie haben ganz tolle Kürbisse, eine Sorte heißt Lao. Ich habe sie vorher noch nie gesehen. Ach ja, und die Bittergurke – das ist schon fast Medizin –, schaut aus wie ein Zucchino und reinigt den Körper. Die Migrantinnen und Migranten bauen gerne in die Höhe, sie haben viele Rank-Gestelle. Sie sind geniale Gärtner und sie sind es gewohnt: Auch in ihrem Heimatland haben sie sich selber versorgt. Sie beherrschen das.

Welche Pflanzen werden von den Migranten bevorzugt angebaut?
Kürbisse, Peperoni, sie essen gerne scharf, Melanzane. Was sie gar nicht anbauen, ist Salat. Den essen sie nicht.

Urban Gardening ist zurzeit ja eine der „schicken“ Bewegungen in der westlichen Welt. Woran liegt das? Haben wir eine Sehnsucht zurück zur Natur und zum „einfachen Leben“?
Aus meiner eigenen Erfahrung – ich habe ja auch ein Beet dort, habe erst dort zu gärtnern angefangen: Ja, es ist sicher ganz fein, einen Garten zu haben. Wenn ich Stress hatte, nach einem harten Arbeitstag, dann habe ich dort angefangen zu graben und in der Erde zu wühlen, mich auszutoben, es tat mir gut. Es ist wie eine Therapie. Es eignet sich gut zum Ausgleich von einer geistigen, stressigen Tätigkeit.

Zum Buch:
Sandra Sordini, Susanne Waiz, Giulia Dongilli,
Beatrice Tamagnini, Alessia Capra
common roots
Edition Raetia 2017
Zweisprachige Ausgabe
Euro 14,90

Bild: Edition Raetia

Veranstaltungstipp:
Buchpräsentation „common roots“
Ort: Gärtnerei Schullian, Bozen
Zeit: Freitag, 15. Dezember 17.00 Uhr

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