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Interview mit IT-Fachinformatiker Alexander Fill

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Alexander Fill führt seit 12 Jahren erfolgreich sein eigenes IT-Unternehmen. Das meiste musste er sich dafür selbst beibringen. Seine Nachfolger haben es jetzt einfacher.

„Learning by doing“, das war schon immer das Motto von Alexander Fill. Der 34-Jährige hat keine Berufsausbildung, keinen Studienabschluss und auch keine Matura. Und doch hat er es weit gebracht: Seit 12 Jahren ist er selbstständig und führt sein erfolgreiches IT-Unternehmen „fillsystems“. Er ist IT-Experte sowie Vorstandsmitglied und Präsident der IT-Fachgruppe im hds.

Damals, als sich der junge Klausner entschieden hat, diesen Weg einzuschlagen, gab es noch keine Lehre im IT-Bereich. So besuchte Alexander nach der Mittelschule den ESF Kurs „Systemelektroniker“ – einen vom Europäischen Sozialfond ausgeschriebenen Systemelektroniker-Kurs in Bozen, der in Italien jedoch nicht anerkannt wird. Danach spezialisierte er sich weiter, absolvierte ein zertifiziertes Computertraining bei Microsoft und fing schließlich als Netzwerktechniker bei einem Bozner Unternehmen an. Bereits nach vier Jahren gründete er sein eigenes Unternehmen.

Dass Alexander heute auf 12 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann, verdankt er neben seiner Zielstrebigkeit und Genauigkeit – er beschreibt sich scherzhaft sogar selbst gern als „I-Tipftl-Reiter“ – auch den guten Aufstiegschancen im IT-Sektor. Kaum jemand kann sich mehr einen Alltag ohne Computer vorstellen. Und doch gibt es laut Alexander hierzulande zu wenige IT-Techniker und IT-Fachinformatiker.

Bereits seit Jahren ist es den IT- und Internetdienstleistern im hds daher ein Anliegen, eine Lehre für IT-Berufe zu ermöglichen. Kommenden Herbst werden diese Bemühungen nun endlich ihren Abschluss finden: Ein neuer Lehrberuf für angehende IT-Techniker und IT-Fachinformatiker wird Jugendlichen und Quereinsteigern auch ohne Studienabschluss interessante Berufsmöglichkeiten im IT-Sektor und die Chance auf eine Zukunft in einem spannenden und sich kontinuierlich entwickelnden Bereich bieten. Hätte es damals diese Lehre gegeben, Alexander hätte sie gemacht, da ist er sich sicher.

Bild: hds

Alexander, was ist überhaupt der Unterschied zwischen IT-Technikern und IT-Fachinformatikern?
IT-Techniker sind System- und Netzwerktechniker, also vereinfacht gesagt Computertechniker, die sich um die Installation, Wartung und Reparatur von Hard- und Software kümmern. IT-Fachinformatiker wiederum sind Software- und Webentwickler, also Programmierer für Webseiten und Software (APPs).

Im Herbst startet eine Lehre für diese IT-Berufe. Warum ist die Einführung dieser Lehre so wichtig?
Wir finden einfach zu wenig Nachwuchs in diesem Bereich. Mit der Möglichkeit einer berufsbegleitenden und spannenden Lehre versuchen wir jungen Leuten die Berufe im IT-Bereich schmackhaft zu machen. Es gibt nämlich sehr viele, die gut mit Computern umgehen können und gerne mit dem PC arbeiten, aber keine Lust auf den Schulalltag haben. Ich war selbst nie so der Schulgänger, ich wäre also ideal für diese Lehre gewesen. (grinst)

Wie ist die Lehre aufgebaut?
Die neu eingeführte Lehre geht über vier Jahre und ist als duale Ausbildung konzipiert. Das bedeutet, dass sich praktische Arbeit im Betrieb und theoretische Ausbildung abwechseln und ergänzen. Der theoretische Teil der Ausbildung, der auf neuneinhalb Wochen pro Schuljahr in einem Block angesetzt ist, findet in Innsbruck statt. Die Fahrtspesen werden dabei bis zu hundert Prozent rückvergütet. Je nachdem, wie viele sich anmelden, findet auch diese theoretische Ausbildung in Zukunft in Südtirol statt. Deswegen hoffen wir natürlich auf eine hohe Teilnehmerzahl.

Nun bietet diese Lehre auch die Möglichkeit, anschließend die Matura zu machen …
Genau. Nach der Lehre können die Schüler für ein Jahr eine Schule besuchen und die Matura machen oder alternativ vier Tage arbeiten und zwei Jahre lang nur am Wochenende zur Schule gehen. Das ist besser mit der Arbeit vereinbar, denn im schnelllebigen IT-Sektor kann ein Jahr ohne praktische Erfahrung schon den Ausstieg bedeuten. Nach insgesamt sechs Jahren haben die Schüler also Lehre und Matura in der Tasche.

Wie war dein Kurs damals und welche Vorteile bietet die jetzt angebotene Lehre den Auszubildenden?
Als ich den ESF-Kurs gemacht habe, kam gerade „Windows XP“ auf den Markt, aber wir haben noch den Umgang mit „Windows 2000“ gelernt. Als Jugendlicher ist man da sehr kritisch, weil man mit dem Neuen arbeiten und dem Stand der Technik nicht hinterherhinken möchte. Wir wollen dem entgegenkommen: Die Grundkenntnisse sind natürlich sehr wichtig, aber es ist auch wichtig, dass man auf Innovationen schnell reagiert.

Warum ist Praxis für angehende IT-Profis so wichtig?
Bisher mussten Schüler für IT-Berufe vier Jahre lang die Berufsschule besuchen und hatten ein- bis zweimal im Jahr ein zweiwöchiges Praktikum. Danach sind sie ins Berufsleben eingestiegen und so wie es in jedem Beruf ist, kann man nicht alles Erlernte zu hundert Prozent anwenden. Sie mussten also zuerst noch für ein weiteres Jahr eine firmeninterne Ausbildung absolvieren. Mit der neuen Lehre soll sich das ändern. Wir wollen praxisnah unterrichten. Die Lehrer – darunter meine Kollegen und ich selbst – werden den Schülern nahebringen, welche Probleme in der Arbeit später wirklich auf sie zukommen.

Bild: hds

Was fasziniert dich an deinem Beruf?
Man lernt ständig neue Menschen kennen und kann Probleme für andere lösen. Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Es wird nie langweilig, denn es tritt fast nie das völlig gleiche Problem mehrmals auf – ausgenommen vielleicht Viren. Zudem haben wir es mit den unterschiedlichsten Leuten aus den verschiedensten Sparten zu tun und kennen die neusten Technologien.

Welche Zukunft haben Jobs im IT-Bereich?
Berufe in der IT-Branche haben sehr gute Zukunftsaussichten, denn Betriebe, die unbedingt einen IT-Lehrling benötigen, gibt es genug. Schon allein das Gesetz, welches Anfang 2019 in Kraft tritt, dass alle Rechnungen elektronisch vorliegen müssen, macht Computer unersetzlich. Und solche Veränderungen gibt es immer häufiger. Auch die Web-Programmierung und Softwareentwicklung ist wichtig, wir sind in Zukunft sicherlich noch vernetzter. Da braucht es die kleinen Programme, die uns helfen, den Alltag einfacher zu gestalten. Wenn man sich qualifiziert und gut arbeitet, kann man mit der Lehre überall hinkommen. Alle Wege stehen offen, egal ob man nun in die Selbstständigkeit möchte oder in einer großen Firma mitarbeiten.

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