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Als Kind misshandelt

Die heute 80-jährige Rosa S. schildert in ihren Lebenserinnerungen, wie ihre Mutter sie als Kind misshandelte.

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Bild: Fotoarchiv Hugo Atzwanger, Südtiroler Landesmuseum

Rosa S. wurde als Kind misshandelt. Uns hat Rosa drei sehr persönliche Fragen beantwortet.

Was hieß es früher – Ihre Kindheit spielt in den 1940er-Jahren – ein uneheliches Kind zu sein?
Einmal Kind der Sünde, immer Kind der Sünde. Ja, das war wirklich so. Ich habe oft zu spüren bekommen, dass ich kein normales Kind war. Ich hatte nur das Glück, dass der Pfarrer, der mich als Kind der Sünde nicht getauft hat, im Jahr 1939 vom Tal fortmusste. Die unehelichen Kinder mussten bei ihm während der Religionsstunde immer auf einem Holzscheit knien. Das wäre auch mir nicht erspart geblieben.  Ich habe immer erkannt, wer mich mochte und wer nicht. Eine Lehrerin hat mich auch eher als Kind der Sünde gesehen und dafür hat sie mir auch schlechte Noten gegeben. Mama war nur wichtig, dass ich in Religion und Betragen immer eine Eins und später eine Zehn hatte. Sie selber konnte kaum lesen und schreiben. Einmal in Betragen stand geschrieben „mustergültig“. Ich habe ja kaum gewagt, mich zu bewegen. Der Pfarrer, der 1939 zu uns in Tal kam, der hat mich hingegen immer bevorzugt. Ich musste immer vorlesen, singen, Verslein aufsagen, Theater spielen. Das hat bei den Verwandten väterlicherseits Neid hervorgerufen. „Immer diese verlogene Lausgitsche“, hieß es dann.

Schläge, auch solche mit der Rute, waren lange Zeit gängige Erziehungsmethoden, doch Sie mussten die Rute, mit der sie geschlagen wurden, oft auch noch küssen. Konnten Sie das Handeln Ihrer Mutter damals verstehen und wie bewerten Sie es heute?
Nein, ich konnte es damals nicht verstehen und ich verstehe es auch heute noch nicht. Man muss sich das vorstellen: Jeden Tag mit der Angst zu leben, was wird heute wieder sein? Die Rute war immer präsent. Wenn ich mich heute in meine Kindheit zurückversetze, sehe ich das Gesicht meiner Mama vor mir. Es war immer ernst, manchmal auch zornig. Gelacht hat sie kaum. Wahrscheinlich hat sie auch nichts zum Lachen gehabt. Sie hat ja Schande über die Familie gebracht. Das wurde ihr fast jeden Tag vorgeworfen. Dass sie keinen Mann bekommen hat und keine Bäuerin geworden ist, das war natürlich meine Schuld. Das schmerzt heute noch und am meisten schmerzt mich, dass sie mir so nebenbei vorgeworfen hat, „wie froh sie wäre, wenn sie mich nicht hätte!“ Ich sehe es aber auch so, was kann man auch von einer Frau erwarten, die fast 40 Jahre bei den Tieren im Stall verbracht hat. Sie hat kaum eine Schule besucht. Aber ich habe ihr verziehen und kann auch ruhig schlafen! Ich denke mir ganz einfach, dass sie auch ein wenig dumm war, sonst kann man doch nicht so sein.

Ihre Lebenserinnerungen haben Sie für Ihre Kinder und Enkel aufgeschrieben. Nun, wo das Buch da ist, wie fühlen Sie sich?
Wie ich mich fühle? Also glücklich fühle ich mich nicht, aber befreit! Ja, innerlich befreit und froh. Und natürlich freue ich mich, dass so viele Zuhörer und Leser an meinem Buch Interesse finden. Ich danke allen ganz herzlich dafür.

Alles Gute Rosa!

Zum Buch:

Rosa S.
Ich musste die Rute küssen
Als uneheliches Kind misshandelt. Mein Blick zurück ohne Verbitterung
Edition Raetia 2017
Euro 12,00
Erhältlich im Buchhandel

Bild: Edition Raetia
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