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Wolf: Zusammenleben will gelernt sein

Seit Herbst haben sich 190 Schülerinnen und Schüler des Ultentales mit dem Thema Wolf befasst und heute (11. Mai) das Projekt in St. Walburg abgeschlossen.
Vor sechs Jahren wurde der erste Wolf im Ultental registriert, berichteten Davide Righetti und Martin Trafoier vom Landesamt für Jagd und Fischerei den 190 Schülerinnen und Schülern von Grund- und Mittelschulen in St. Walburg, St. Pankraz und St. Nikolaus: "Unsere Aufgabe ist das Monitoring durch das Anbringen von Fotofallen und die genetische Untersuchung von Haaren oder Kot". Im Projekt Life WolfAlps werden diese Daten gesammelt, zwei männliche Wölfe wurden im Ultental nachgewiesen. Da der Wolf ein sehr scheues Tier ist, wurden wenige Sichtungen verzeichnet. Es sei wichtig, die Bevölkerung über dasi Thema Wolf aufzuklären, um mehr Akzeptanz zu erreichen, unterstrichen die Experten, und auch: Der Wolf ist Teil der Natur.Ziel des Projektes Life WolfAlps mit zehn italienischen und zwei slowenischen Projektpartnern ist es, den Wolf in den Alpen zu schützen, erklärte der Leiter des Nationlaparkhauses Stilfserjoch Ronald Oberhofer. Biologin Eva Ladurner gab einen Überblick über das Projekt mit 82 Klassen von der dritten Grundschule bis zur dritten Mittelschule im Ultental, im Meraner Raum und im Vinschgau, das im Herbst begonnen hatte und heute zu Ende ging. Anliegen war es, möglichst viele sachliche Informationen über den Wolf zu vermitteln: dass er in Rudeln mit einem männlichen und einem weiblichen Alphatier lebt, ein Langstreckenzieher ist und alles frisst, was zur Verfügung steht, als Hauptbeutetiere Hirsche, Rehe und Gämsen hat. Besprochen wurde in den Schulklassen auch die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Wolf. Flurnamen weisen darauf hin, dass der Wolf in Südtirol verbreitet war; vom Menschen wurde er im vergangenen Jahrhundert fast zur Gänze ausgerottet. Die Abneigung des Menschen gegen den Wolf, erläuterte die Biologin, komme daher, dass das Raubtier etwa durch das Reißen von Schafen den Menschen die Lebensgrundlage nahm. Nun kommt der Wolf langsam zurück, er wurde in den 1970er-Jahren unter Schutz gestellt, seine Beutetiere haben stark zugenommen. "Maßnahmen für den Herdenschutz sind wichtig, um Konflikte zwischen Mensch und Wolf zu vermeiden", unterstrich Ladurner: "Das Zusammenleben will gelernt sein".Bisher nur Spuren, aber noch keine lebendigen Wolf gesehen hat Martin Unterkofler, der seit 21 Jahren als Hirte in der Schweiz arbeitet. Der Schutz für seine Herde von 200 Rindern und 1000 Schafen auf zwei Almen funktioniert, dank Border Collies, Pyrenäenberghunden und Koppelhaltung. Die Hunde leben im Sommer mit den Rindern und Schafen auf der Alm, im Winter im Stall. Die Herdenschutzhunde bilden wie die Wölfe ein Rudel mit Alphatieren, grenzen das Revier rund um die Herde ab, bewachen es und signalisieren dem Wolf damit ein besetztes Revier. Die Hunde sind vor allem in der Nacht aktiv, bewegen sich ständig um die Herde herum und verständigen sich untereinander. Schutzhunde, legte Unterkofler dar, müssen lernen, dass sie ihre Arbeit nur gegenüber Großraubtiere ausüben, gegenüber Menschen hingegen sind sie zutraulich."Die Präsenz des Wolfes in Südtirol wird zunehmen", weist Landesrat Arnold Schuler hin, "deshalb gilt es, die Möglichkeiten des Herdenschutzes zu bewerten und ein Konzept für das ganze Land zu erstellen". In Lana und Latsch wurden bereits Informationsabende für Bauern organisiert, die Tiere auf Almen halten. Neben Herdenschutztieren gibt es auch Schutz vor dem Wolf durch Elektrozäune oder Einstallen; Vergrämungsmethoden wie etwa Licht wirken nur kurze Zeit. Nun geht es darum, Denkanstöße zu liefern, Veränderungen zu begleiten und Möglichkeiten zur Umsetzung zu bieten.mac
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