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Weinwirtschaft in Bewegung

Neuregelung der Pflanzgenehmigung, Überarbeitung der Lagenbezeichnung, Nachjustierung der agronomischen Formel: Damit haben sich vorgestern (4. April) abends Vertreter der Weinwirtschaft mit Agrarlandesrat Schuler im typischen Blauburgunderanbaugebiet Mazzon ausgetauscht.
Landesrat Arnold Schuler würdigte bei diesem Treffen den 81-jährigen Paolo Foradori für seine jahrzehntelangen Verdienste um den Blauburgunder. Mit dabei waren der Präsident des Konsortiums Südtiroler Wein Maximilian Niedermayr und der Präsident der Weingüter Martin Foradori, der Obmann der Kellereigenossenschaften Georg Höller und der Präsident der Freien Weinbauern Michael Goess Enzenberg sowie der Vertreter des Fachamtes für Obst- und Weinbau Armin Morandell. "Es gilt", betonte Landesrat Schuler, "die Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der Weinwirtschaft und der Landwirtschaftsabteilung weiter zu verbessern und an übergeordneten Zielen wie Sortenpolitik, Flächenzuwachs und Weinbau in Höhenlagen strategisch zu arbeiten".Der Felsenkeller der Laimburg, wurde unterstrichen, soll wiederbelebt und aufgewertet werden. "Wir möchten daraus ein Zentrum der Weinwirtschaft schaffen", erklärte Landesrat Schuler.Besprochen wurde außerdem die Neuregelung der Pflanzgenehmigungen, die seit Jänner in Kraft ist: Südtirol mit seinen 5400 Hektar Rebfläche darf jährlich Pflanzgenehmigungen im Ausmaß von einem Prozent dieser Gesamtfläche vergeben. Diesen 54 Hektar, die vergeben werden können, stehen derzeit 273 Ansuchen für insgesamt 123 Hektar gegenüber. Es wurde also um weit mehr angesucht, als zugewiesen werden kann. Falls die Fläche, die zugeteilt werden kann, wie in diesem Fall nicht für alle reicht, muss die Zuweisung der Pflanzgenehmigung für alle anteilsmäßig reduziert werden. Das bedeutet, dass vorerst jeweils nur ein Teil der betreffenden Flächen, für die angesucht wurde, genehmigt und realisiert werden kann.Diskutiert wurde weiters über die Lagenbezeichnung: Die in Südtirol geltenden Erzeugervorschriften, die den Anbau von DOC-Sorten und -Flächen regeln, sind auch in Unterzonen - wie "Terlaner" oder "Eisacktaler" - gegliedert. Die Bezeichnungen von Lagen sind für die Südtiroler Weinwirtschaft von großer Bedeutung; damit in Südtirol auf den Etiketten offiziell auch zusätzlich zu den Unterzonen Bezeichnungen von Lagen geführt werden können, müsste im italienischen Weingesetz - das derzeit in Teilen überarbeitet wird - die Möglichkeit dazu geschaffen werden.Im Sinne einer zukünftigen Strategie für den Qualitätsweinbau wurde in Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Landwirtschaft, dem land- und forstwirtschaftlichen Versuchszentrum Laimburg und der Europäischen Akademie Eurac die Agronomische Formel entwickelt. Diese Bewertungsformel, die mit Parametern wie Hangneigung, Meereshöhe, Horizontalabschattung und Exposition arbeitet, soll potentielle Standorte für die Errichtung von Rebflächen bewerten. Nur wenn die Mindestvoraussetzungen für einen Qualitätsweinbau bestehen, wird eine Pflanzgenehmigung erteilt. Diese agronomische Formel muss nun verfeinert werden, damit spezielle mikroklimatische Bedingungen erfasst werden. In Folge soll die Anwendung der Bewertungsformel in den Erzeugervorschriften festgeschrieben werden. Die Bewertung des Standortes aufgrund dieser Formel ist ein wichtiges Instrument, um die Ausweitung des Qualitätsweinbaus nur in guten Lagen garantieren zu können.Man war sich in der Gesprächsrunde auch einig, dass der Bezug zur Herkunft der Weine eine wichtige Rolle spielt. Deshalb muss gemeinsam daran gearbeitet werden, um den Lagen einen höheren Stellenwert zu verleihen. Dank des Einsatzes von Paolo Foradori, der die Gegend um Mazzon landschaftlich und weinkulturell geprägt hat, ist Mazzon mittlerweile Synonym für Blauburgunder - eine Lage wurde also direkt in Zusammenhang mit einer Sorte gebracht. In Zukunft, so der Tenor in der dort tagenden Runde der Vertreter der Südtiroler Weinwirtschaft, soll verstärkt der Weg Richtung Sorten-Lagen-Denken eingeschlagen werden, im Sinne einer Qualitätsweinstrategie.mac
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