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Auf der Rittner Festivalbühne

Die Wiener Rocker

Sie spielen beim Rock-im-Ring-Festival: Kaiser Franz Josef über ihre Castingshow-Teilnahme, Landsfrau Conchita und das Erlebnis, als Vorband von AC/DC zu spielen.

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Bild: Matthias Heschl

Zum Interview mit der Wiener Rockband Kaiser Franz Josef, kurz KFJ, werde ich standesgemäß mit dem VW-Bus abgeholt. Can schiebt die Seitentür auf, ich springe rein und wir fahren zum Proberaum der Band, einer kleinen Kammer ohne Tageslicht. Tom setzt sich hinter sein Schlagzeug, wir übrigen besetzen die einzigen drei Stühle im Raum. Der alte VW-Bus, der heimelige Proberaum und die lockeren Sprüche der sympathischen Musiker passen perfekt ins Rocker-Klischee.

Seit die drei Mitglieder von Kaiser Franz Josef 2013 bei der österreichischen Castingshow „Die große Chance“ mitmachten und dabei Platz fünf belegten, geht ihre Karriere steil bergauf. Mittlerweile können Sham (Lead-Gitarre, Gesang), Tom (Schlagzeug) und Can (Bass) von ihrer Musik leben. Ihre EP „How Much Is A Mile“ erschien im Herbst 2013 und belegte direkt Platz 1 der österreichischen iTunes-Charts. Vor wenigen Wochen wurde den dreien der größte österreichische Musikpreis, der Amadeus Austrian Music Award, in der Kategorie „Rock / Hard & Heavy“ verliehen.
Am Freitag um 18.55 Uhr stehen Kaiser Franz Josef beim Rock im Ring Festival am Ritten auf der Bühne.

Was ist die nervigste Frage, die euch in Interviews immer wieder gestellt wird?
Can: Was mich so nervt ist: „Und wie habt ihr euch kennengelernt“?
Sham: Oder „Wer heißt Kaiser, wer Franz und wer Josef“.
Alle: Genau, das ist die idiotischste Frage.
Sham: Die wird jetzt gleich rausgestrichen! (lacht)

Da gibts wahrscheinlich keine Antwort darauf ...
Sham: Absolut nicht, das ist einfach ein Bandname. Es ist irgendwie dazu gekommen, wie man eben zu einem Bandnamen kommt. Da geht man ins Internet auf bandnamegenerator.com und dann kommt halt irgendwas raus. (die anderen lachen)
Tom: Das ist aber auch geil eigentlich.
Sham: Das sagen wir beim nächsten Interview. (lacht)

Euren Bassisten Can habt ihr am Wiener Gürtel aufgegabelt, als der mit einem Bass auf dem Rücken an euch vorbeilief. Can, hast du da nicht gezögert: da fahren zwei Typen vorbei und fragen dich, ob du einsteigen willst?
Can: Ich hatte da nichts zu tun und bin aus Langeweile und Spontaneität einfach eingestiegen. Ich denk da einfach nicht so viel drüber nach.
Tom: Und wir eben auch nicht, aber das ist ja das coole.

Habt ihr sowas wie ein peinlichstes Bühnenerlebnis?
Tom: Es gibt nichts, das irgendwie extrem spektakulär oder erzählenswert wäre. Dafür brauchen wir wohl noch ein paar Jahre.
Sham: Es gab vielleicht einmal irgendeinen Joke, der nicht funktioniert hat.
Can: Da gab es aber genug Jokes von dir!
Sham: Ja, das ist mittlerweile schon klar, dass ich Jokes erzähle, die nicht funktionieren. (lacht)
Tom: Da fängt man dann einfach ganz schnell zum Spielen an! (holt aus und spielt ein paar Takte auf dem Schlagzeug)

Warum macht man als Rockband bei einer Castingshow mit?
Tom: Da haben wir nicht so viel drüber nachgedacht.
Sham: Ich weiß nicht, wir denken anscheinend nie über etwas nach. (lacht)
Can: Bei uns ist das wirklich so. Die Leute denken immer, dass da irgendwas Großes dahintersteckt, aber wir tun eben einfach, was uns gerade in den Sinn kommt.
Tom: Wir haben uns angemeldet, weil wir wussten, dass man damit sicher viele Leute erreicht. Wie das dann ablaufen wird, das haben wir natürlich nicht gewusst.
Sham: Aber wir haben auch nichts zu verlieren gehabt. Entweder es funktioniert und wir spielen voll die geilen Gigs, wie wir es jetzt tun, oder es funktioniert nicht, und dann ist es genauso wie vorher.
Can: Wir sind auch nicht hingegangen, um zu gewinnen. Unser Ziel war es, alle Liveshows zu spielen und mehr hatten wir auch nicht vor. Wir haben erreicht, was wir wollten und jetzt sitzen wir da und führen Interviews.

Ihr habt als Support von AC/DC gespielt. Wie ist es dazu gekommen?
Sham: Das war vor vielen Jahren, da waren die Jungs noch gar nicht dabei.
Tom: Vor vielen Jahren …
Can: Damals, 1996 …
Sham: Nein, es war 2010 in Wels. Jedenfalls war es ein super Erlebnis, mit 100.000 Leuten. Okay, vielleicht waren es auch nur 80.000 zu dem Zeitpunkt aber das ist auch schon wurscht. Wir hatten zu der Zeit keine EP, keine Single und kein Album aber wir wollten einen Gig spielen und haben eine Proberaum-Aufnahme an das Management geschickt und die haben gesagt ja, ihr habt den Gig. Ich hab das auch bis zu dem Tag, als wir da hingefahren sind, nicht geglaubt. Eigentlich bis ich diesen Backstage-Bereich gesehen hab, wo unser Name draufstand.

Und dann die 80.000 Leute im Publikum …
Sham: Ja, das ist arg, da braucht man nichts machen und jeder jubelt.
Tom: Nur blöde Jokes reißen. (alle lachen)

Was ist das Besondere daran, auf Festivals zu spielen?
Can: Es ist einfach viel lockerer und für mich ist es leiwand, weil ich mir andere Bands anhören kann. Wenn man viel herumfährt hat man ja keine Zeit, auf Konzerte zu gehen und bei Festivals ist halt das leiwande, dass du auch die Chance hast, vor die Bühne zu gehen und dir ein Konzert anzuhören. Du gehst zur Arbeit und hörst dir Bands an.

Werdet ihr euch auch beim Rock im Ring Festival unters Publikum mischen?
Can: Airbourne schauen wir uns auf jeden Fall an. Leider spielen viele Bands, die ich gern sehen würde am Samstag, da sind wir schon wieder woanders.

Was sagt ihr zum Sieg von Conchita Wurst?
Sham: Leiwand, absolut. Das hat Österreich einen extremen Aufschwung gegeben. Das ist ein neues Zeitalter.
Tom: Es ist eh traurig, dass erst jetzt alle darauf aufmerksam wurden, aber so ist es eben.
Sham: Ich hör auch Rise Like a Phoenix trotzdem nicht oft im Radio. Sie haben es eine Zeit lang gespielt, davor aber wollten sie es gar nicht spielen. Ich versteh diese Radiolandschaft in Österreich nicht, beziehungsweise den fehlenden Support von inländischen Bands.

Ihr regt euch auch darüber auf, dass man euch nicht im Radio spielt.
Sham: Das ist eh okay, vielleicht ist ihnen unsere Musik ja zu hart, sie müssen uns ja nicht spielen aber irgendetwas aus Österreich könnten sie schon spielen.
Can: Die Conchita wollte keiner haben, bis sie von den ersten drei oder vier Ländern zwölf Punkte bekommen hat, weil das hat Österreich nicht erlebt zuvor oder zumindest war das schon sehr lange her. Und auf einmal ist man dann stolz auf Österreich. Aber es ging nie um Österreich. Österreich hat nicht gewonnen, Conchita Wurst hat gewonnen. Und jetzt unterstützen sie plötzlich alle.
Sham: Vorher hat sie eben keiner unterstützt, nicht einmal ein örtlicher Radiosender. In Österreich hat man einfach einen Heimnachteil.

Österreich und die Musik, ist das also ein schwieriges Thema?
Sham: Ja, obwohl ich das nicht versteh. Wir haben den Mozart, den Falco …
Can: Der Falco war ja auch in Österreich ein Niemand, bevor er nicht in den Staaten war. Dann ist er zurückgekommen und erst da haben sie ihn im Radio gespielt.
Sham: Österreicher haben Probleme mit Talentfindung, glaube ich. Da sagt irgendwann einmal wer: Das ist ein Talent! Und dann heißt es: achso, ja eh.

Damit dürftet ihr kein Problem haben, ihr macht gerne auf euch aufmerksam. Bei der Amadeus-Verleihung seid ihr mit einem Pickup vorgefahren ...
Sham: Ja genau, da haben wir auf der Ladefläche gespielt. Wir machen sowas schon gern.
Tom: Das hat super viel Spaß gemacht. Aber es hätte natürlich auch in die Hose gehen können. Kann ja sein, dass die Leute beim Amadeus ganz in Ruhe vorm Volkstheater eine rauchen und nicht gestört werden wollen. Aber es hat ihnen eh getaugt, glaube ich.

Ihr denkt bei euren Aktionen schon immer auch einen Schritt weiter?
Can: Bei uns ist zwar alles genau bedacht, aber wir sehen die ganze Sache nicht so eng. Wir überlegen schon, aber im Endeffekt machen wir es dann ganz einfach.
Tom: Wir nehmen es ernst und dann wieder doch nicht. (lacht)
Sham: Wenn ein unbekannter Faktor dabei ist, dann tendieren wir einfach dazu, es zu riskieren.

Was ist für die Zukunft geplant?
Sham: Im September touren wir durch Österreich und dann bereiten wir uns langsam auf das zweite Album vor, dann werden wir das aufnehmen und schauen, dass wir das rausbringen können im Frühjahr nächsten Jahres und dann gibt es wieder eine Tour.
Tom: Und so geht es immer weiter. (lacht)
Sham: Album schreiben, Tour, Album schreiben, Tour. Und dann schauen wir eben auch, dass wir mehr nach Deutschland kommen. Wir haben jetzt sechs Gigs als Support von Bosshoss in Deutschland.
Can: Und dann nach Europa. Ich find wir sollten einfach: BÄM …
Tom: Dann organisier BÄM! (alle lachen)
Sham: Wir konzentrieren uns jetzt auf Deutschland und dann schauen wir weiter. Vielleicht kommt es an, vielleicht auch nicht.

Irina Ladurner

lebt in Wien. Ausgezogen, um die Welt kennen zu lernen. In Wien die (Südtiroler) Heimat gefunden. Mag den Südtiroler Exotenbonus, das Wiener Dorf und die Rückkehr in die eine oder andere Heimat.
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