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Die erste Opposition

Sandra Karnutsch aus Schnals ist mit 18 Jahren die jüngste Gemeinderatskandidatin der Süd-Tiroler Freiheit. BARFUSS gibt sie ihr allererstes Interview.

Im Oktober wurde Sandra Karnutsch 18 Jahre alt, im Mai wird sie bereits für die Gemeinderatswahlen in Schnals kandidieren. Die junge Frau lebt mit ihren Eltern in Katharinaberg und arbeitete bis vor Kurzem bei der Schnalstaler Gletscherbahn. Nun wird sie zunächst „ein bisschen in Hotels aushelfen”. Karnutsch kandidiert auf der Liste der Süd-Tiroler Freiheit, die für Schnals die erste Oppositionspartei überhaupt ist. Bisher wählten die Schnalser ihren Gemeinderat immer bloß aus Kandidaten der SVP. Karnutsch blickt deshalb optimistisch auf die Wahlen im Mai, auch wenn sie beim Interviewtermin etwas nervös ist. Schließlich ist es ihr allererstes Interview, das sie gibt.

Warum kandidierst du für die Gemeinderatswahlen?
Ich kandidiere, um etwas zu verändern und mich mehr für die Bevölkerung einzusetzen und ihr zu helfen.

Du sagst, du willst etwas verändern. Was läuft denn schief in deiner Gemeinde? Was würdest du konkret verändern?
Ich möchte den Bauern mehr weiterhelfen und auch der Jugend. Weil für die Jugend gibt es in Schnals sehr wenig. Ich möchte mich auch für die Umwelt und den Landschaftsschutz einsetzen.

Was braucht denn die Schnalser Jugend?
Ich denke, die Jugend braucht einen Ort, wo man sich treffen kann. Und auch Möglichkeiten, später in der Nacht, wenn man ausgehen will, wieder zurück ins Schnalstal zu kommen. Sie braucht aber auch in Schnals mehr Möglichkeiten, auszugehen und sich zu amüsieren.

Man sagt, die Jugend ist ziemlich politikverdrossen. Wie möchtest du junge Menschen wieder für Politik begeistern?
Erklären, dass wenn man sich dafür interessiert, man sich melden und auch mit den Gemeinderäten reden kann. Dass die Jungen auch sehen, wenn man miteinander redet und sich einsetzt, ihnen da auch weitergeholfen wird. Und es auch einen Sinn hat.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?
Mir liegt besonders am Herzen, dass man reden kann mit den Leuten. Dass man einfach ansprechbar ist und nicht nur Versprechen gibt und sie nicht einhält.

Du kandidierst für die Süd-Tiroler Freiheit, dann ist dir das Thema Selbstbestimmung wahrscheinlich auch sehr wichtig?
Ja, das ist für mich sehr wichtig. Das Motto der Süd-Tiroler Freiheit in der Gemeinde bei uns ist auch: „Selbstbestimmung fängt in der Gemeinde an. Beginnen wir sie zu leben.”

Warum glaubst du, dass du mit deinen 18 Jahren schon fit für die Gemeindepolitik bist?
Ich habe mir eigentlich gedacht, ich stehe als Vertreterin der Jugend im Gemeinderat. Wenn sich mal ein Junger getraut, sich zu melden und aufstellen zu lassen, kommen dann vielleicht auch mehrere nach und trauen sich, etwas zu sagen.

Findest du, Jugendliche sollten schon mit 16 wählen dürfen?
Ich wäre schon eher dafür.

Hast du ein politisches Vorbild?
Eigentlich nicht, ich habe mich auch lange nicht für Politik interessiert. Erst vor einem Jahr, haben die, die jetzt mit mir in der Partei sind, mich richtig darüber nachdenken lassen.

Was sagen deine Freunde zu deiner Kandidatur?
Sie sind sehr überrascht und finden es eigentlich auch gut, dass sich jemand auch in dieser Gemeinde traut.

Wie glaubst du, stehen deine Chancen, in den Gemeinderat zu kommen?
Unsere Chancen sind eigentlich ziemlich gut, weil es das allererste Mal ist, dass eine andere Partei außer der SVP in Schnals antritt. Wir sind eigentlich guter Hoffnung.

Also blickst du optimistisch auf die Wahl?
Ja, eigentlich schon.

Julia Tapfer

mag Geschichte und Geschichten. Liebt gutes Essen und hasst es, für schlechten Kaffee auch noch Trinkgeld geben zu müssen.
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Unsere  Jungpolitiker

Am 10. Mai wird wieder gewählt in Südtirols Gemeinden. BARFUSS hat zu diesem Anlass die jüngsten Kandidaten der größten Parteien zum Interview gebeten. In ihren Videos zeigen sie außerdem den Ort in ihrer Gemeinde, der repräsentativ für jene Themen steht, für die sie sich einsetzen wollen.

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Nette und gscheide gitsch. redet besser als die Mehrheit von die restlichen politiker...Give to the youth a chance!

Wir üben ja die Selbstbestimmung schon aus! Das ist unsere Autonomie! Wir sollten über den Tellerrand schauen lernen. Das was die STF wil, ist eine Grenzverschiebung und hat nichts mit Selbstbestimmung zu tun.

Ausserdem kenne ich niemanden der für eine Fremdbestimmung ist. Ich bin auch für Selbstbestimmung, Schönwetter und Freibier!

Eine Partei, die nicht genug Kandidaten stellen kann, um die Mehrheit zu erlangen, ist keine Opposition.

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