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Porträt Valeria Hinteregger

„Meine Bilder sind vulgär“

Ihre kleine Schwester inspirierte Valeria Hinteregger dazu, ein Kinderbuch zu schreiben und zu illustrieren. Doch die Studentin macht nicht nur kinderfreundliche Kunst.

Man sieht ihre Brüste, nicht aber die Nippel. Diese sind von zwei Weingläsern verdeckt, die Valeria Hinteregger in ihren Händen hält. Rechts der Rotwein, links der Weißwein. Die Jeans trägt sie in der Taille. Ihr Blick ist lasziv und etwas provokant. Im Hintergrund des Fotos erkennt man das gemalte Abbild derselben Szene, ein Selbstporträt.

„Viele meiner Bilder sind ziemlich vulgär“, sagt die 22-Jährige. Trotzdem stecke immer ein gewisser Witz dahinter. Die junge Künstlerin mag es, sich in ihren Werken über Hypes lustig zu machen. „Heutzutage stellen sich die Menschen mit ihrer Individualität und Weltoffenheit viel zu sehr in den Mittelpunkt“, meint sie. Dabei seien vegetarische Ernährung und Reiselust nichts Besonderes mehr.

Valeria und ihr Selbstporträt

Bild: Valeria Hinteregger/Instgram

Als eines von zehn Kindern ist Valeria in Lüsen aufgewachsen. Bereits in der Grundschule machte das Multitalent ihre ersten Zeichenversuche und lernte nebenher Harfe und Klavier. „Wie man an meinen langen Nägeln erkennt, übe ich momentan aber nicht mehr so fleißig“, sagt sie und grinst verlegen. Wenn sie sich hin und wieder doch an ihre Instrumente setzt, spielt Valeria heute am liebsten die selbstgeschriebenen Stücke ihres Bruders. Im Gegensatz zur Musik hat sie das Malen nie wirklich gelernt. Trotzdem kreiert sie seit Jahren Bilder mit Acryl. Das Talent dazu hat Valeria wohl von ihrer Mutter, die Kunstgeschichte studierte und später Kunst unterrichtet hat.

Kurz vor Weihnachten brachte Valeria ihr erstes Buch heraus. „Die tapfere Prinzessin Iris“ ist ein zweisprachiges Kinderbuch, das von der einen Seite auf Deutsch und von der anderen auf Englisch gelesen werden kann. Die Bilder zum Buch hat Valeria gestaltet. Kinderbücher haben ihr immer schon gut gefallen. Vor allem diejenigen in gereimter Form. Als ihre kleine Schwester Iris mit vier Jahren meinte, sie als Prinzessin sei nun groß genug, um alles alleine zu machen, stand für Valeria fest: Aus dieser Geschichte muss ein Buch entstehen. „Der Schreibprozess hat ewig gedauert“, meint die 22-Jährige, „die Aquarell-Bilder zu malen ist mir deutlich leichter gefallen“. Im rosaroten Kleidchen steht Valerias Aquarell-Prinzessin vor jaulenden, schwarz-violetten Drachen. Inspiriert hat sie der amerikanische Künstler und Produzent Tim Burton.

Selbstporträt

Bild: Valeria Hinteregger

Trifft man die junge Lüsenerin in der Brixner Altstadt, könnte man meinen, sie sei eine Touristin. Ihre hohen Wangenknochen lassen auf einen russischen Ursprung tippen, die helle Haut und der klassische Kleidungsstil eher auf einen französischen. Valeria spricht beide der Sprachen. Gerade ist sie mit dem Zug von Innsbruck gekommen, wo sie im zweiten Semester Translationswissenschaften studiert.

Nach der Oberschule hat die 22-Jährige erstmal ein Jahr lang nichts gemacht und schließlich an der Schauspielschule in Innsbruck ihre Ausbildung begonnen. „Das war mir dann aber doch zu vage und ich habe mich an einer Kunstuniversität in London beworben“, erzählt sie. Obwohl Valeria angenommen wurde, hat sie am Ende doch abgelehnt. Bald darauf habe sie nämlich begriffen: Entweder hat man das Talent oder man hat es eben nicht. Nun pendelt die Lüsenerin täglich nach Innsbruck.

Valerias knallroter Lippenstift hat den selben Ton wie der ihres Pullovers und der karierten Tartan-Hose. Wenn sie ein neues Bild malen will, lässt sie sich am liebsten von Farben inspirieren. Das Motiv entstehe erst während des Prozesses. Dieser darf jedoch nie länger als einen Tag dauern. „Dann ist die Idee, die ich hatte, schon wieder zu alt, um so umgesetzt zu werden, wie sie am Anfang in meinem Kopf aufgetaucht ist“, meint Valeria, „dann müsste ich wieder von vorne beginnen.“

Aus Klecksen entstanden

Bild: Valeria Hinteregger

Vier Schichten Farbe und jede Menge Geduld braucht ein Werk, bis es vollendet ist. Am liebsten arbeitet Valeria mit der Spritztechnik. Die Figuren auf der Leinwand entstehen dabei aus einem anfänglich aufgetragenen Farbspritzer. Zum Acryl musste Valeria sich aber erst heranarbeiten. Angefangen hat sie mit akribisch genauen Bleistiftzeichnungen. „Wenn man ein genaues Abbild will, kann man aber auch ein Foto machen“, meint Valeria heute. Dann hat sie das Aquarell für sich entdeckt, mit dem sie sehr mädchenhafte und sensible Motive zeichnete. „Und dann kam erst Acryl. Das hat mir am Anfang aber überhaupt nicht gefallen“, erinnert sich Valeria, „bis es nach etwas aussieht, dauert es einfach so lange.“

„Die Idee macht die Kunst. Das Handwerk kann jeder lernen“

Inspirieren lässt sich die Lüsenerin gerne von Künstlern aus Berlin, Kanada oder Korea. Diese entdeckt sie auf Instagram oder zufällig auf Ausstellungen, die sie besucht. Vor allem Fotografen wie Marc Schuhmann oder der Chinese Ren Hang haben es ihr dabei angetan. Beide zeigen viel Haut und, so wie Valeria auch, vulgäre Motive. „Die Idee macht die Kunst. Das Handwerk kann jeder lernen“, meint die 22-Jährige. Nicht immer sei sie am Ende mit dem Ergebnis zufrieden. Vor allem hinter Bildern ohne konkreter Botschaft könne sie nicht zu hundert Prozent stehen. Und auch zu viel Inspiration tue ihren Bildern nicht gut.

Einige ihrer Werke hat die junge Künstlerin bereits verkauft. Eines hängt in einer Neurologie, ein anderes in einem Privathaus in Deutschland. Signiert wurden diese mit Min Ha, Valerias Pseudonym. „Va.Minha ist mein Name auf koreanisch und bedeutet stark sein“, erklärt sie. Eine Eigenschaft, die Valeria nicht nur im Namen trägt.

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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