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Regisseur mit Down-Syndrom

„Mehr Gefühl hineinbringen“

Julian Messner hat das Down-Syndrom. Trotzdem ist der junge Mann aus Oberrasen Dichter, Künstler, Schauspieler, Autor und Regisseur.

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Bild: Petra Schwienbacher

Julian Messner hat viele Talente. Neben seinen preisgekrönten Gedichten, malt er Bilder, singt in der Band „MitEinAnders“ und ist leidenschaftlicher Theaterspieler. 
Ich treffe Julian zusammen mit Elisabeth Kofler, Obfrau der Volksbühne Rasen, in der Liberty-Bar in Bruneck. Sie ist direkt neben der Kunstwerkstatt „Akzent“, wo Julian arbeitet. Hauptsächlich male er dort, sagt der Oberrasner. Verschiedene Dinge, einfach alles, was ihm gefalle. Jetzt wagt sich der 27-Jährige mit Down-Syndrom an ein neues Projekt, er hat ein Theaterstück geschrieben und feiert bald nicht nur die Premiere des Stückes, sondern auch als Regisseur und Autor. „Hochzeitsfieber am Gardasee“ heißt die romantische Liebesgeschichte, die einen großen Traum von Julian aufgreift: selbst einmal zu heiraten.
„Ich bin der dritte Schauspieler der Familie“, sagt er. Seine Mutter ist Pädagogin und Theaterspielerin, sein Vater, Edi Braunhofer, ein bekannter Regisseur und Theaterspieler. „Ich trete in Tatas Fußstapfen, kann man sagen“, sagt er und lacht. Dann zeigt er die mitgebrachten Broschüren für sein Stück und bestellt einen Cappuccino.

Wie ist das Stück „Hochzeitsfieber am Gardasee“ entstanden?
Julian Messner: 
Das Stück handelt von drei Hochzeiten. Von Liebe, von Leidenschaft und von viel Gefühl. Geschrieben habe ich es letztes Jahr.

Elisabeth Kofler: Er hat mich gefragt ob er mal Regie führen darf. Ich sagte ihm, er soll ein Stück bringen, dann lese ich es durch und wir schauen weiter. Er brachte mir einen Krimi, der sehr anspruchsvoll war und ich hatte Bedenken. Deswegen sagte ich zu ihm, er soll selbst ein Stück schreiben. Als wir mit der Volksbühne am 8. Juni vorigen Jahres einen Ausflug auf den Gardasee machten, sah Julian dort zwei Hochzeiten und ihm kam die Idee. Diesen Frühjahr hat er es mir dann in die Hand gedrückt.

Die Proben laufen aktuell bereits. Wie gefällt es dir zu sehen, dass dein Stück aufgeführt wird?
JM:
Ich bin bei jeder Probe dabei und es gefällt mir ganz gut. (strahlt) Ich schaue zu und sage, wenn mir etwas nicht gefällt. Wir müssen noch mehr Gefühl hineinbringen.

Wie viele Leute spielen mit?
EK:
Es gibt die zwei Hauptrollen, die zwei Elternpaare und den Pfarrer. Dazu kommen noch die sieben Hochzeitsgäste und die Musiker. Julian hat das Lied „Im Weißen Rössl am Wolfgangsee” umgeschrieben. Das gesamte Stück wird musikalisch begleitet, weil wir viele Szenenwechsel im Stück haben und die Zeit dazwischen überbrückt werden muss.

Hat dir beim Schreiben des Stückes jemand geholfen?
JM: 
Nein, ich habe es selbst geschrieben. Meine Mama hat es nachher kontrolliert und bei einer Szene mitgearbeitet. Aber es ist alles meins.

Am 7. November ist die Premiere, bist du schon aufgeregt?
JM: Ich habe schon ein bisschen Lampenfieber. Ich glaube, kurz davor wird es noch stärker. Aber ich freue mich schon darauf.

Du schreibst auch Gedichte. Wann hast du damit angefangen?
JM: Das weiß ich nicht mehr genau, aber ich muss dazu sagen, ich schreibe sie immer mit Hilfe der literarischen Begleitung von Elfriede Kehrer. Sie ist eine der drei Betreuerinnen und die künstlerische Leitung im „Akzent“. Wenn ich Lust habe, ein Gedicht zu schreiben, sage ich es Frau Kehrer und sie hilft mir.

Was gefällt dir am besten am Dichten?
JM: Einfach alles. (lacht)

Über was schreibst du?
JM: Ich schreibe über verschiedene Dinge. Meistens über Natur, Liebe, Gefühle, über mich und oft auch über meine Freundin. (grinst) Wir sind schon seit zwölf Jahren zusammen.

Und was sagt deine Freundin dazu, wenn du jetzt ein Theaterstück auf die Bühne bringst?
JM: Sie ist begeistert. Sie hat eine große Freude mit mir und freut sich schon sehr darauf es anzuschauen. Ich habe ihr noch überhaupt nichts verraten. Sie weiß nicht, um was es im Stück geht, es wird Überraschung pur. Vielleicht bekommt sie dadurch auch mehr Gefühl und Liebe für das Theater. (lächelt)

Du hast mit deinen Gedichten zwei Preise gewonnen. 2012 den Sonderpreis für „auf die Welt gekommen“ und 2013 den Hauptpreis mit dem Text „Ich denke“ beim Literaturwettbewerb Ohrenschmaus in Wien. Wie war das für dich?
JM: Es hat mich richtig gefreut (strahlt) und ich war überrascht. Es war, wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Beim Sonderpreis wusste ich schon vorher, dass ich etwas gewonnen habe. Beim Hauptpreis hat mir meine Mama nichts verraten. Sie wollte, dass ich mich in Wien überraschen lasse. Aber ich habe in Mamas Sachen geschnüffelt und es selbst herausgefunden. (lacht)

Eine große Leidenschaft von dir ist auch das Theaterspielen. Wie lange stehst du schon auf der Bühne?
JM: Schon lange. Ich habe zwei Stücke beim kleinen Theater Bruneck gespielt, einmal bei der Volksbühne Rasen mitgespielt und einmal war ich dort Regieassistent von Rudolf Beikircher. Dieses Jahr bin ich das erste Mal Regisseur und Autor und habe mit Beikircher die Rollen getauscht, denn dieses Mal ist er mein Assistent. (lacht)

Du bist auch Frontmann der Band MitEinAnders ...
JM: Genau, ich bin der Bandleader, der Sänger. Einige Mitarbeiter von Akzent sind bei der Band und auch meine Freundin seit kurzem. Wir spielen verschiedene Lieder, singen aber nur auf Deutsch und Italienisch. Es macht mir großen Spaß und ich höre auch gerne Musik: Volksmusik und Schlager.

Gibt es bereits eine Idee zu einem neuen Stück oder Gedicht?
JM: Ich habe bis jetzt 20 Gedichte geschrieben. Noch habe ich keine Idee für ein neues. Ich muss zuerst das Theaterstück auf die Bühne bringen. Es ist viel Arbeit, aber ich schaffe es, auch wenn es immer spät wird. Die Proben dauern bis um zehn, halb elf Uhr abends. Irgendwann möchte ich die Fortsetzung für diese Geschichte schreiben. Das wird aber ein Krimi.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
JM: Ich wünsche mir, dass ich mehrere Theaterstücke schreiben, sie auf die Bühne bringen und einfach voll dabei sein kann. Mir gefällt die Arbeit im „Akzent“, aber noch besser gefällt mir das Theaterspielen, das Schreiben und das Regieführen.

 

Am 15. November liest Julian Messner im Grand Hotel in Toblach seine Gedichte. Auch bei der Aufführung seines Theaterstückes sind die Gedichte zu hören und einige seiner Bilder sind dort ausgestellt.

Termine der Aufführung im Kulturhaus Oberrasen:
Freitag, 07. 11.2014
Sonntag, 09.11.2014
Donnerstag, 13.11.2014
Samstag, 15.11.204
Sonntag, 16.11.2014

Reservierung und Info:
info@volksbuehnerasen.it

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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