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Satirisches Sommerinterview

Zum Wohl, Herr Wolf!

Die Hitze der (Herden-)Hundstage setzt auch dem Wolf mächtig zu. Sein Ratschlag an die Artgenossen: Mehr chillen, weniger killen.

wolf chiller.v1.jpg

Lizenz: CC0
Bild: mohamed mohamed mahmoud hassan

Der Wolf kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Dabei will er, besonders jetzt im Hochsommer, einfach nur seine Ruhe haben. Die Lösung, so stellt sich im exklusiven Interview mit BARFUSS heraus, wäre eigentlich ganz einfach.

Herr Wolf, wo verbringen Sie am liebsten Ihren Urlaub?
Zwischen Meer und Berg entscheide ich mich ganz zweifellos für Letzteres. Eine sonnige Almlandschaft, im Hintergrund die Gipfel der Dolomiten, im Vordergrund ein paar saftige Weidegründe mit herumtollenden Lämmchen. Das ist mein ideales Sommerpanorama.

Da sind Sie in Südtirol doch gut aufgehoben?
Ganz richtig. Die IDM hat hier wirklich hervorragende Marketingarbeit geleistet. Bis in die entlegensten Winkel Transsilvaniens wissen meine Vettern und Cousins inzwischen, was für eine wunderbare Destination für gelegentliche Streifzüge Südtirol ist. Nur die hiesige Gastfreundlichkeit hat mich doch ein wenig enttäuscht. Kaum bin ich angekommen, habe ich Schilder bemerkt, die schon wieder meine Abreise forderten. Aber gut, ich habe gehört, dass es Touristen aus Deutschland oft genauso geht.

Das feindliche Klima macht Ihnen also nichts aus?
Man muss sich halt ein dickes Fell zulegen. Deswegen meide ich auch vielbesuchte Instagram-Motive und halte mich lieber im Dickicht anonymer Wälder auf. Dann noch ein paar erfrischende Cocktails, im Headset der rockige Sound von Freiwolf, und alles ist wieder gut.

Was trinken Sie denn am liebsten?
Nichts geht über eine klassische Bloody Dolly. Im Notfall nehme ich aber auch einen Kalbpirinha.

Als Wolf scheint man den Sommer gut genießen zu können.
Hängt alles von der Einstellung ab. Ich bin ein entspannter Zeitgenosse.

Das überrascht jetzt sicher einige. Was ist mit all den schaurigen Bildern, die von Ihnen kursieren? Sie wissen schon: Aufgesperrtes Maul, gebleckte Zähne, blutrünstiges Knurren.
Geh, bitte, das sind geleakte Bilder von mir, wie ich beim Zahnarzt war. Hier ist der Beweis, ein Foto von mir, auf dem die Hand des Zahnarztassistenten ausnahmsweise nicht von irgendwelchen dubiosen Regionalmedien per Photoshop entfernt wurde. Schaut mich an: dieser leidende Blick. Es wissen ja alle selbst, wie anstrengend das ist, wenn man stundenlang das Gebiss herhalten muss, nur damit der Zahnarzt ein paar stinkende Fleischreste vom Vortag herauspicken kann.

Das steckt also hinter den fruchterregenden Zähnefletsch-Bildern: Auch der Wolf muss zum Zahnarzt!

Titel & Urheber des Bildes: 
angry wolf - Bodyl
Aha, und was für Fleisch war das?
Also wirklich, solche Fragen kränken mich. Noch einmal: Ich bin ein Chiller und kein Killer, zumindest jetzt im Hochsommer. Hier, schau mal aufs Thermometer: 38 Grad. Was soll man da auch anderes machen als zu chillen? Diese Herdenhundstage sind für niemanden leicht.

Mehr chillen, weniger killen. Ist das auch ein Rat an den Bären?
Ach, was. Der Bär ist ein genauso gelassener Zeitgenosse. Ich denke da eher an den nichtswürdigen, widerwärtigen und menschengezüchteten Abschaum, dessen Vorfahre ich bin: Hunde. Untertänige Sklavenwesen sind das, aber lässt man sie einmal von der Leine los, reißen sie alles Weidevieh und Wild auseinander, das sie nur finden können. Es weiß ja jeder, dass Hunde eigentlich für die meisten Risse verantwortlich sind.

Also alles nur ein Imageproblem? Was ist mit den Geschichten, die man über Sie hört: Rotkäppchen und der Wolf? Der Wolf und die sieben Geißlein?
Alles Propaganda, unverschämte Erfindungen. Verschreckte Bauern gab es eben auch schon im Mittelalter. Die haben diesen Unsinn in die Welt gesetzt.

Was sollte man jetzt tun, um die öffentliche Meinung über Sie ein wenig aufzupolieren?
Als erstes würde ich das Motto dieser Tage verändern. Es soll nicht heißen „Der Wolf muss weg“, sondern „Das Wolf-Thema muss weg“. Das Problem sind die Medien und ihre Gier nach reißerischen Geschichten. Deswegen wollen sie auch einen reißenden Wolf, einen blutrünstigen Mörder, und wenn es den in Wirklichkeit gar nicht gibt, dann erschaffen sie ihn auf ihren Titelgeschichten eben selbst.   

Eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Und was kann man dagegen tun?
Wissen Sie, eigentlich sind genau solche Leute wie Sie das Problem. Leute, die mich immer wieder in die Schlagzeilen bringen wollen. Aber eine Lösung wäre ganz einfach...

Was für eine Lös… He! Warum zeigen Sie jetzt die Zähne her, wir sind hier nicht beim Zahnarzt! Abstand bitte, Herr Wolf… Hilfe!!!

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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