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Liebe oder Kommerz?

Petra
Irina
Soll der Valentinstag gefeiert werden?
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Pessimisten und Schwarzseher aufgepasst, denn gegen dieses Argument für den Valentinstag kommt ihr nicht an: Die Liebe! Was in den 60er-Jahren noch über alle Maße zelebriert wurde, sollten wir heutzutage doch mindestens einmal im Jahr hochhalten und feiern. Und wer mit dem Argument kommt, dass man seine Liebsten auch jeden anderen Tag im Jahr mit Aufmerksamkeiten überschütten kann, der sollte einmal kurz in sich gehen und sich fragen: Mache ich das auch wirklich?
Eine kleine Aufmerksamkeit abseits des Alltäglichen für die Menschen, die man mag: Das tut nicht weh und man macht dem Anderen damit eine Freude. Und wenn einer sagt, er bekommt nicht gerne Geschenke, und sei es nur die ideenlose Pralinenschachtel, dann behaupte ich jetzt ganz einfach, dass derjenige lügt.
Liebe ist schlicht und einfach etwas Schönes. Also nutzen wir den einen Tag im Jahr, der uns mit Gewalt auf dieses schöne Gefühl stößt, und feiern wir Valentinstag.

Zugegeben, die Liebe ist ein ziemlich gutes Argument, den Valentinstag zu feiern. Doch eines sollten wir uns vor Augen halten: Am Valentinstag steht schon lange nicht mehr die Liebe im Vordergrund. Der Herzchen-Feiertag ist ursprünglich ein christlicher Feiertag, was aber so gut wie niemand mehr weiß. Mit der Zeit wurde er nämlich von den vielen Blumenläden hochgepuscht und zu dem gemacht, was er heute ist. Der Tag der Liebenden ist doch nur noch ein Tag des Konsums. Nicht umsonst ist er für Blumenhändler und Rosenverkäufer der umsatzstärkste im ganzen Jahr. Ja, sie können jubeln, während wir mit Angeboten überschüttet werden. Mal ehrlich, wir können sogar ein bisschen Mitleid mit den vielen Männern haben, die jährlich vor derselben Herausforderung stehen, auf Druck etwas für ihre Angebetete kaufen zu müssen. Sie fühlen sich überfordert. Was schenkt man der Frau, die man liebt? Blumen, Pralinen, ein Armband? Alles unpersönlich und doch fällt den meisten nichts Passenderes ein.
Keine Frage, Geschenke sind etwas Schönes. Aber nur dann, wenn sich der Schenkende Gedanken über die andere Person macht und etwas ganz Besonderes aussucht oder plant. Und dafür braucht man nun wirklich keinen Feiertag.

Klar, die Blumenläden haben den Valentinstag für sich entdeckt, ebenso wie den Muttertag. Aber ist es der Branche nicht zu gönnen, dass sie diese beiden Tage nutzen kann, um den Umsatz hoch zu treiben? Die kleinen Blumenläden in Südtirols Dörfern spüren doch sicher immer mehr den Druck großer Handelsketten, die Blumen zum Spottpreis anbieten. Anstatt des angeknacksten Straußes von der Tanke muss es am Valentinstag dann schon ein üppiges Bund Rosen vom örtlichen Blumenhändler sein. Und apropos christliche Feiertage: Haben wir die nicht schon längst bis zum Gehtnichtmehr kommerzialisiert? Lebkuchen zu Weihnachten und Schokohasen zu Ostern, die Wochen vor dem eigentlichen Festtag die Supermarktregale füllen und die Kassen klingeln lassen. Warum soll also der Valentinstag drunter leiden, dass wir uns einmal darauf besinnen, dass nicht jeder Festtag gleich die Geldbeutel öffnen muss? Muss er im Übrigen auch nicht: Es gibt so viele Geschenke, deren Wert sich nicht mit Geld bemessen lässt. Und Punkt.

Ja, es gibt viele Geschenke, aber heutzutage hat man scheinbar keine Zeit und Fantasie für Außergewöhnliches. Frau hat große Erwartungen an ihren Partner. Bekommt sie den klassischen Strauß Blumen, setzt sie ein Ich-freue-mich-darüber-Lächeln auf. In Wirklichkeit muss sie einen leichten Anflug von Enttäuschung zugeben, sie hat sich mehr Einfallsreichtum erwartet. Der Blumenstrauß ist schön, keine Frage, aber nach ein paar Tagen hat er an Schönheit verloren und findet den Weg in die grüne Tonne. Besonders in der heutigen Wegwerfgesellschaft sollte man sich zweimal überlegen, was man kauft. Wenn Blumen, dann doch besser Topfpflanzen, damit kann man hiesige Gärtnereien sogar das ganze Jahr sinnvoll unterstützen. Also warum einen Tag voller Pflichtgeschenke? Wer einen Menschen liebt, braucht keinen festen Termin für ein Geschenk oder eine Überraschung. Aber genau deswegen gibt es auch den Valentinstag und keinen Singletag, denn damit kann die Wirtschaft nicht angekurbelt werden. Was sollte man einem Single auch schon zu so einem Anlass schenken?
Klar, man kann sich über Sinn oder Unsinn des Valentinstags und auch der ganzen anderen Feiertage streiten. Fakt ist, es sind nur noch Konsumfeiertage – das muss sich jeder eingestehen – und dafür wurden sie nicht ins Leben gerufen. Also sollte sich jeder gut überlegen, was er am Valentinstag anstellt. Verliebt? Vergesst den Kaufrausch, macht jeden Tag mit dem geliebten Menschen zu einem besonderen, mit lieben Worten und unvergesslichen Momenten. Single? Dann auf zur nächsten Party oder trefft euch mit Freunden. Erlebt auch ihr einen unvergesslichen Tag und ruft euch eines in Erinnerung: Das Leben soll schön sein und zwar 365 Tage im Jahr.

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