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Frau sein ist schwer

Irgendetwas stimmt mit unserer Ulli nicht

Liebes Tagebuch,

wir sind also eine Frauenpartei. Zumindest sieht das die „Südtiroler Tageszeitung“ so. Weil wir für die Wahlen im Herbst auf mehr weibliche Kandidatinnen zurückgreifen können, als wir laut Gesetz bräuchten. Die SVP kriegt das ja bekanntlich nicht auf die Reihe. Dabei würden wir uns im Gegensatz zu denen erst gar nicht bemühen, dass sich weibliche Wesen bei uns wohl fühlen.

Ich nur zum Pius: So sind sie, die Frauen! Verlieren das Interesse, wenn was zu glatt läuft. Zurückweisungen kommen bei denen gut an. Worauf er prompt meinte: Genau, Ulli! So sind die Weiber. Zum Glück bist du ganz anders!

Seitdem frage ich mich: Ja, wie bin ich eigentlich?

Es ist eine Vermutung, die ich schon lange hege: Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich meine jetzt nicht physiologisch gesehen. Bei öffentlichen Toiletten zweifle ich nie, welches Türchen ich zu öffnen habe. Aber: Ich hasse rosa! Ich lese keine Klatschzeitschriften, hab ich noch nie. Und wenn die Friseurin auf mich einlabert, kriege ich die Krise!

Sicher ist, dass ich in den letzten Jahren viel zu viel Testosteron eingeatmet habe. Das kann mir unmöglich gut getan haben!

Selbst Hans Heiss macht sich schon Gedanken über mich. Erst neulich meinte er: „Ulli ist eine Ausnahmeerscheinung, sie steht für Männerpower und ist gleichzeitig eine durchsetzungsstarke, attraktive Frau. Der perfekte Hybrid.“

An dem Tag mussten mir auch noch die SVP-Frauen über den Weg laufen, natürlich in der Gruppe, alleine traut sich von denen ja keine wohin. Und wie ich sie da so tuscheln sah, dacht ich mir: Wenn die möchten, könnten sie jetzt einfach losgehen und unter den Lauben bummeln, Arm in Arm, nonstop dasselbe Lied singend: „Girls, just wanna have fuuun! Oooohhh, giiiiirls, they wanna have fun!“

Wen hätte ich, mit dem ich das machen könnte? Auf die Jungs kann ich da nicht zählen! Da bin ich ganz schön traurig geworden.
 

Barbara Bachmann

ist freie Journalistin und in der Welt zu Hause. Als Reporterin sucht und findet sie gute Geschichten wie das Schwein den Trüffel.
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Liebes Tagebuch

Die geheimen Gedanken unserer Politikerinnen. BARFUSS sind die Tagebücher von Ulli Mair und Brigitte Foppa zugespielt worden. Über die Echtheit besteht kein Zweifel ;-)

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