Anzeige
Satirisch gut

Brücken für Südtirol

René Benko will eine Brücke bis zum Gardasee bauen. Landeshauptmann Arno Kompatscher ist vom Projekt begeistert.

flickr_frank_lindecke.jpg

Bild: Flickr/Frank Lindecke

Am 17. April wurde die Twenty-Brücke über den Eisack fertiggestellt. Sie wird es den Stadtbewohnern ermöglichen, künftig auch zu Fuß oder mit dem Rad das Twenty-Einkaufszentrum zu erreichen, um dort ihren Konsumdrang zu stillen. Die Kosten wurden vollständig von der Podini-Holding übernommen, der Steuerzahler musste keinen Cent beitragen. Eine großartige Sache, findet Bürgermeister Luigi Spagnolli. Noch großartiger aber ist, dass dieses wohltätige Prestigeprojekt nur das erste von vielen sein soll.

Giovanni Podinis selbstlose Initiative hat nämlich auch (Überraschung!) das Unternehmerkalkül René Benkos auf den Plan gerufen. Seit sein Image durch das umstrittene Kaufhausprojekt im Bahnhofsareal schwer kompromittiert ist, will Benko den Bürgern genauer aufs Maul schauen. „Der Bau von Brücken eröffnet uns ganz neue Perspektiven“, erklärt der Nordtiroler Multimillionär. „Unbeliebte Vorhaben wie der Brenner-Basis-Tunnel werden dadurch völlig überflüssig.“ Darum plant Benko jetzt eine Brücke zu bauen, wie man sie noch nie gesehen hat: Sie soll an der Grenze zu Deutschland beginnen, über Südtirol hinwegführen und direkt am Gardasee enden. Landeshauptmann Kompatscher zeigt sich bereits begeistert: „Das muss man sich erstmal vorstellen, kein deutscher Durchreiseverkehr mehr auf der A22! Der normale Bürger kann endlich das Tempolimit einhalten, ohne zehn drängelnde BMWs im Schlepptau zu haben.“

Sehr willkommen bei der Politik ist vor allem der Gedanke, dass solche und ähnliche Großprojekte in Zukunft von der Privatwirtschaft übernommen werden können, denn das Steuergeld bliebe dadurch unversehrt. „Am Ende bleibt vielleicht sogar wieder etwas für unsere Renten übrig“, ließ ein Landtagsabgeordneter verlauten. Weitere private Gönner, die ihr Prestige steigern wollen, planen auch schon den Bau eines 400-Meter-Wolkenkratzers in Meran, eines internationalen Flughafens in Bozen oder einer Brücke des Mitgefühls zwischen rechtspopulistischen Parteien und den Flüchtlingen, die letzthin immer häufiger in Südtirol ankommen. „Bei letzterem Vorhaben sehen wir aber leider noch die größten Realisierungsprobleme“, merkt ein Vertreter der Wirtschaft skeptisch an.

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
Anzeige

Satirisch gut

Was war los in Südtirol im letzten Monat? Ein satirischer Rückblick auf jene Ereignisse, die Land und Menschen bewegten.

Mehr Artikel
Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Mehr Artikel

Zommholtn Leit

Markus „Doggi“ Dorfmann hat seine Gedanken zur Coronakrise in einen Song gepackt. Der Liedermacher singt darüber, dass er seine Freunde und den Alltag vermisst. Sein Aufruf: Wir müssen zusammenhalten.
 | 
Kleinkunsttheater Carambolage

Wie im Wohnzimmer

Schauspieler ganz nahe, Sektglas und Wohnzimmeratmosphäre: Die Bozner Carambolage will eine alternative Theatererfahrung bieten.
0    

Zu viele Wege zum Glück

Auf der Suche nach Glück – zwischen Potential, Erwartung und Leistungsdruck. Wie fühlt es sich an, heutzutage erwachsen zu werden?
0    
South Tyrol United

Say Bye

Um die Zeit in Quarantäne sinnvoll zu nutzen, schlossen sich Südtirols Musiker zusammen. Gemeinsam veröffentlichten sie jetzt den Song „Say Bye“.
 | 
Kommentar zur Corona-Prävention

#aushalten

Die Zeit in Quarantäne gleicht einem Marathon. Wir alle müssen vieles aushalten, doch nicht jeder hält sich an die Maßnahmen. Warum?
1    
Anzeige