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Gruppenbild mit Dame?

Was von einer Südtiroler Momentaufnahme übrig bleibt, wenn man die Männer in den Schatten stellt.

Vorstellung von IDM Südtirol – Alto Adige, dem neuen Sonderbetrieb von Land und Handelskammer, und deren Abteilungsleiter, Oktober 2015.

Bild: LPA

Die Frage nach der Gleichberechtigung ist nicht neu, und sie ist in manchen Teilen überholt. Sie dreht sich um theoretische Aspekte wie die Überlegung, ob eine Quote um eine Kommastelle auf- oder abgerundet werden soll und jeder Begriff auch mit „–innen“ enden muss, oder ob ein freizügiger Kalender Grödner Skilehrerinnen ein falsches Bild von Frau vermittelt. Ja!, rufen manche, Nein!, die anderen, und eine zunehmende Mehrheit entschließt sich unentschlossen dazu, dass es ihr vielfach einfach wurst ist. Wer will denn noch jammern in Zeiten wie diesen, wo Frauen alle Freiheiten haben und jedes Unternehmen weiß, dass sein Außenbild stark davon abhängt, wie viele Frauen vom Foto der Führungsspitze lächeln?

Um von der Theorie in die Praxis zu wechseln: Wie viele Frauen lächeln denn tatsächlich von diesem Foto? Ist das Bild denn ausgeglichen? Landeshauptmann Arno Kompatscher ist da skeptisch: Nach der Vorstellung der neuen Gesellschaft „IDM – Südtirol Alto Adige“, bei der sieben männliche Entscheidungsträger neben einer Moderatorin auf der Bühne standen, meinte er anschließend reumütig, man habe „selbst gemerkt, dass an dem Bild etwas nicht stimmt.“

So haben wir uns die Bilder mal angeschaut, die täglich in Politik und Wirtschaft entstehen. Was bleibt von der Idee von Frau und Mann auf Augenhöhe im Südtiroler Tagesgeschäft, wenn Hände geschüttelt und Verträge geschlossen werden, kommuniziert und präsentiert und Wichtiges entschieden wird; wenn Politiker diskutieren und es um Dinge geht wie den Fusionsvertrag zwischen SEL und AEW, um HDS und SVP.

Stehen die Frauen im Schatten? Wir haben die Sache mal umgedreht, und versucht die Männer auszublenden. Diese andere Darstellung der Wirklichkeit ist kein Aufschrei. Sie ist vielleicht ein Denkanstoß: Sind Frauen wirklich unterrepräsentiert? Gibt es gläserne Decken, oder sind es die Frauen selbst, die ihr Glück woanders suchen? Ist es die Freiheit einer freien Frau, sich gegen den Weg nach oben zu entscheiden, oder die Pflicht der Politik, sie dorthin zu bringen? Und brauchen wir mehr KITAs?           
 

Vera Mair am Tinkhof

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