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Die Lausgitsch

Zuerst der Wahlpakt mit Forza Italia, jetzt der Schulterschluss mit dem PD: Wie unberechenbar Elena Artioli wirklich ist, zeigte sie beim Interview ohne Worte.

Locker-lässig empfängt Elena Artioli vor dem Eingang des Landhauses. Während sie in eines der Besprechungszimmer im Parterre bittet, entschuldigt sie sich noch kurz, um sich für das Fotoshooting zu schminken – nicht nur der Kurzhaarschnitt soll perfekt sitzen. Ihrem Friseur hat sie eine Kostprobe der Fotos versprochen.

Elena Artioli ist immer für einen Sager und eine Überraschung gut – mit einer solchen begann schon ihre politische Karriere: Als erste Italienerin (als solche hatte sich die Gemischtsprachige bei der Volkszählung deklariert) wurde sie 2005 auf der Liste der Südtiroler Volkspartei in den Bozner Gemeinderat gewählt. Damit rüttelte sie fast an den ethnischen Grundfesten der Einheitspartei. Als ihr die SVP drei Jahre später dann doch zu verstehen gab, dass es für sie keinen Platz auf der Landtagsliste geben würde, heuerte sie bei der Lega Nord an und schaffte es prompt in den Landtag. 2010 löste sich Artioli, die im Landtag Lausgitsch genannt wird, von der skandalumwobenen Lega und gründete mit dem Team Autonomie eine eigene Fraktion im Landtag. 2013 trat sie schließlich in einem Listenbündnis mit dem Südtiroler Ableger von Berlusconis Forza Italia und Primadonna Michaela Biancofiore zu den letzten Landtagswahlen an. Als einzige Kandidatin des Wahlpaktes schaffte die liberal gesinnte Boznerin die Wiederwahl.

„Eine meiner Stärken ist die Intuition“, sagt Artioli während des Shootings, nimmt sich eine Lampe in der Form einer Kugel zu Hilfe und legt beide Hände darüber, um ihren guten Riecher darzustellen. Diesen glaubt sie auch bei ihrem neuesten Frontwechsel zu haben: Mitten im politischen Sommerloch wurde sie zur Südtiroler Koordinatorin des Liberal PD ernannt. „Renzi ist wie eine Sonne“, so die Anhängerin des neuen Ministerpräsidenten und streckt beide Hände in die Höhe.

 

Fotos: Michael Pezzei

Pssst!

Die Welt ist schon laut genug, warum also nicht mal die Stille genießen? Das Interview ohne Worte sagt nichts und drückt doch so vieles aus.  

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